Was ist dran an Ziegenmilch?


Ziegenmilch gilt als neuer Geheimtipp für die Ernährung von trächtigen Hündinnen und Welpen. Doch was bringt sie wirklich? Die Redaktion der Hundeprofizeitschrift BreederSpecial hat sich auf die Suche nach echten Fakten gemacht und wandte sich dazu an die Universität München. Dr. Beate Walter arbeitet dort als Oberärztin an der chirurgischen und gynäkologischen Kleintierklinik. Die Fachtierärztin für Fortpflanzung ist auf dem neuesten Stand der Forschung, wenn es um Welpenernährung geht.

Nur mit der richtigen Ernährung wachsen Hundewelpen alters- und rassegerecht, bleiben gesund und besitzen gute Abwehrkräfte. Da die Muttermilch am besten an die Bedürfnisse der Welpen angepasst ist, stellt diese in den ersten Lebenswochen zweifellos die beste Ernährung dar. Aber auch die richtige Ernährung der Mutterhündin in der Trächtigkeit ist wichtig, um den Welpen einen optimalen Lebensstart zu ermöglichen.

Das letzte Drittel

Die Ernährungsbedürfnisse der Mutterhündin ändern sich im letzten Drittel der Trächtigkeit. Um diesen gerecht zu werden, hat sich im Praxisalltag die stufenweise Umstellung auf Welpenfutter am Ende der Trächtigkeit als sehr geeignet erwiesen. Um den gesteigerten Bedarf an Proteinen zu decken, kann auch Magerquark, der reich an Proteinen ist, unter das Futter gemischt werden. Da Ziegenmilch nur einen geringen Proteingehalt aufweist, ist diese als Proteinquelle für die trächtige Hündin nicht geeignet.

Optimaler Immunschutz

Für den Aufbau eines optimalen Immunschutzes müssen neugeborene Welpen innerhalb der ersten zwölf Stunden nach der Geburt Muttermilch trinken. Die Mutterhündin gibt zu diesem Zeitpunkt das sogenannte Kolostrum ab. Kolostrum ist Muttermilch, die reich an Antikörpern ist, die zur Krankheitsabwehr dienen und vom mütterlichen Immunsystem durch Impfungen oder anderen Kontakt mit Krankheitserregern gebildet wurden. Nur in den ersten Lebensstunden gelangen diese Antikörper über den Darm in das Blut der Welpen und bauen so einen Immunschutz auf. Spätestens 24 Stunden nach der Geburt können keine Antikörper mehr aus dem Darm in die Blutbahn der Welpen gelangen.

Kolostrum ist unersetzlich

Die Aufnahme des Kolostrums ist bei Hunden deshalb so wichtig, weil nur ein sehr geringer Anteil der Antikörper schon während der Trächtigkeit auf die Welpen übertragen wird. Dieses muttereigene Kolostrum kann nicht durch Kolostrum einer andern Tierart ersetzt werden, da nur das Kolostrum des Muttertieres, die für den Aufbau der Immunabwehr nötigen tierartspezifischen Antikörper enthält. Das Kolostrum einer anderen Tierart kann lediglich aufgrund der darin enthaltenen Antikörper die lokale Abwehrkraft an der Schleimhaut des Verdauungstrakts verstärken. Steht das Kolostrum des Muttertieres nach der Geburt nicht zur Verfügung, so ist beschrieben, dass zum Aufbau des Immunsystems Blutserum von der Mutter oder einem anderen Hund aus dem gleichen Haushalt an die Welpen verfüttert werden kann.

Zufütterung

Wenn die Umstände es erfordern, dass die Welpen in den ersten Lebenswochen zugefüttert werden müssen oder gar von Hand aufgezogen werden müssen, dann sollte hierfür ein kommerzieller Milchaustauscher verwendet werden. Die erhältlichen Milchpulver für Hunde sind im Allgemeinen in ihrer Zusammensetzung der Muttermilch am ähnlichsten. Bei der Verabreichung ist streng darauf zu achten, dass das Mischungsverhältnis von Wasser und Milchersatz den Herstellerempfehlungen entspricht und die Temperatur der Zubereitung stimmt. Außerdem muss sehr sauber gearbeitet werden und es darf nur frisch angerührte Milch gefüttert werden. Die Futtermenge und das Fütterungsintervall muss an das jeweilige Alter und den Kalorienbedarf der Welpen angepasst werden.

Hundemilch

Steht kein tierartspezifischer Milchaustauscher zur Verfügung, dann muss immer bedacht werden, dass zwischen verschiedenen Tierarten große Unterschiede in der Milchzusammensetzung bestehen. Hundemilch hat unter anderem einen hohen Energiegehalt, weist einen hohen Anteil an Rohprotein und Rohfett, aber nur einen geringen Anteil an Milchzucker auf. Ziegenmilch hingegen, wie auch Kuhmilch, hat einen deutlich geringeren Anteil an Rohprotein und Rohfett und ein deutlich höheren Anteil an Milchzucker als Hundemilch. Der höhere Milchzuckergehalt bewirkt, dass die Milch dünner wird, was zu Durchfall führen und bei Welpen lebensbedrohlich werden kann. In ihrer Zusammensetzung der Hundemilch am ähnlichsten ist Schafsmilch, wobei diese deutlich seltener zur Verfügung steht. Um Milch anderer Tierarten, wie zum Beispiel Ziegenmilch, als Milchersatz für Hundewelpen verwenden zu können, sollten die fehlenden Nährstoffkomponenten zugesetzt werden, um einer Mangelernährung vorzubeugen. So kann zum Beispiel Quark oder Hüttenkäse als Proteinquelle dienen und Speiseöl zur Deckung des Fettgehaltes. Auch die Zugabe von Eigelb ist sinnvoll. Insgesamt ist jedoch zu empfehlen selbst gemischte Milchaustauscher nur kurzzeitig zu verwenden, bis wieder auf einen speziell für Hunde hergestellten kommerziellen Milchaustauscher umgestellt werden kann.

von Dr. Beate Walter,
Oberärztin an der Chirurgischen und Gynäkologischen Kleintierklinik München

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