Hund, jetzt iss doch mal!


Ein Löffelchen für....

Während sich fast die Hälfte der Hundebesitzer dafür interessieren sollte, wie man sein Tier etwas schlanker bekommt, kann es auch das umgekehrte Szenario geben: Durch eine Krankheit oder besondere Lebensumstände bedingt oder aber einfach aus Mäkeligkeit ist ein Hund untergewichtig geworden. Was tun? Die HundeWelt sprach mit Ernährungsexpertin Dr. med. vet. Katja Sauer darüber, was zu beachten ist, wenn der Hund zu dünn ist.

Wie päppelt man denn einen Hund, der zu dünn geworden ist, wieder auf? Gibt es dafür richtige oder auch falsche Wege?

An erster Stellte steht immer die Frage, warum der Hund so abgenommen hat. Gibt es medizinische Gründe, die das Untergewicht hervorgerufen haben, und welcher Natur sind sie? War es „einfach nur“ eine schwere Erkrankung, während der das Tier abgebaut hat? Dann gilt es, nun gut verwertbare Energie zuzuführen. Ist aber eine Unfähigkeit des Körpers, die Nährstoffe richtig zu verwerten, die Ursache, dann muss entsprechend behandelt und vielleicht auch ein dazu passendes Futter verwendet werden. Nehmen wir als Beispiel eine Pankreasinsuffizienz, also eine mangelnde Produktion an Bauchspeicheldrüsenenzymen. Diese Enzyme sind dafür da, die im Futter enthaltenen Eiweiße, Kohlenhydrate und vor allem Fette so weit aufzuspalten, dass sie im Darm aufgenommen werden können. Wenn sie nun fehlen, dann ist es klar, dass der Hund trotz eigentlich vollwertigem Futter nur abnehmen kann. In diesem Fall müssen die Enzyme als medizinisches Präparat von außen zugegeben und zusätzlich ein geeignetes Diätfutter verwendet werden. Wir sehen an diesem Beispiel, wie wichtig vor Beginn des „Aufpäppelns“ die korrekte tierärztliche Diagnose ist.

Heißt das, dass man jeden untergewichtigen Hund erst einmal beim Tierarzt vorstellen sollte?

Zumindest bei unerklärlichem Untergewicht würde ich das auf jeden Fall empfehlen. Wenn nun zum Beispiel eine Hündin bereits vor der Geburt ihrer Welpen sehr schlank war und dann in der Säugezeit weiter dramatisch abnimmt, dann ist die Ursache ja klar: Sie verbraucht durch die Milchproduktion mehr Energie, als man ihr zuführt oder möglicherweise sogar zuführen kann. In einem solchen Fall ist es nicht nötig, noch etwas medizinisch abzuklären, sondern man kann sich darauf konzentrieren, Kalorien zuzuführen.

Dann bleiben wir doch gleich einmal bei der säugenden Hündin: Was würden Sie ihn einem solchen Fall raten?

Um das offensichtliche Energiedefizit aufzufüllen, braucht man hier ein Futter mit einer sehr hohen Energiedichte. Normale Adult-Futter enthalten in der Regel zwischen 1,4 und 1,7 MJ/100g Trockensubstanz. Sagen wir, die Hündin wiegt 20 Kilogramm und hat einen Grundumsatz von etwa 5 MJ pro Tag. Der Grundumsatz ist das, was ein normal aktiver Hund an Energie verbraucht. Hier ist also noch nicht eingerechnet, dass die Hündin enorme Energieverluste durch die Milchproduktion hat und erst recht keine zusätzlichen Gaben, um wieder Körpermasse aufzubauen. Damit kommen wir auf Futtermengen, die den Magen-Darm-Trakt belasten und die das Tier unter Umständen gar nicht mehr fressen möchte. Deshalb bekommt unsere Beispielhündin, solange sie noch säugt, ein Futter, das eine Energiedichte von 4 bis 5 MJ/100 Gramm aufweisen sollte, und zwar zur freien Verfügung. Das heißt, man nimmt am besten ein Trockenfutter, das nicht verdirbt, wenn es bei Zimmertemperatur herumsteht, an dem sich die Hündin jederzeit bedienen kann.

Kann man das auch nach dem Absetzen der Welpen so fortsetzen?

Die Milchproduktion kann eine Hündin je nach Anzahl der Welpen bis zum Vierfachen der normalerweise verbrauchten Energie kosten, das ist also schon ein Extremfall. Wenn die Säugezeit vorbei ist, muss man daher aufpassen, dass das Gewicht nicht zu stark ansteigt. Aber das ist beim Aufpäppeln natürlich immer wichtig. Ich würde also raten, auf jeden Fall das Futter mit hoher Energiedichte weiter zu füttern, bis das gewünschte Gewicht des Hundes erreicht ist. Ob man es tatsächlich zur freien Verfügung anbietet, hängt vor allem vom Fressverhalten des Hundes ab und davon, ob man ihn hinterher wieder auf eine rationierte Fütterung umstellen kann, ohne dass er einen terrorisiert. In der Regel wird man das Normalgewicht auch wieder erreichen, wenn man portioniert zweimal pro Tag füttert – etwas langsamer vielleicht, aber das muss ja kein Schaden sein.

Achtung!

Für Hunde, die ein- bis zweimal pro Woche im Hundesport irgendeiner Art eingesetzt werden, sind „Active-Futter“ in aller Regel zu energiereich. Sie sind eher für Leistungshunde konzipiert, die den ganzen Tag arbeiten. Aber auch für Untergewichtige sind sie genau die richtige Nahrung.


Wo bekomme ich oder woran erkenne ich ein Futter mit einer hohen Energiedichte?

Leider ist die Energiedichte oft nicht auf der Packung angegeben. Normalerweise sollten Futtermittel, die unter den Bezeichnungen „Active“, „High Energy“ oder „Performance“ vertrieben werden, über einen hohen Energiegehalt und gleichzeitig gut verwertbare Eiweiße, die ebenfalls für den Aufbau wichtig sind, verfügen. Für Hunde, die aufgrund einer schweren Erkrankung viel Gewicht verloren haben, empfiehlt der Tierarzt unter anderem auch ein Energiekonzentrat, entweder als Spezialfutter oder als eine Art „Astronautenkost“ aus der Tube. Letzteres schmeckt besonders gut und regt auch oft den Appetit wieder an. Diese Produkte sind aber veterinärmedizinische Diätfutter und ausschließlich über die Tierarztpraxis zu beziehen. Sie haben den Vorteil, dass man am Anfang nur kleine Mengen geben kann und trotzdem maximal Energie zuführt. Die ersten Tag nach schweren Operationen oder Krankheiten ist der Verdauungstrakt nämlich oft noch nicht so leistungsfähig.

Bei dem Thema „Appetit anregen“ wollen wir aber gleich mal nachhaken: Was tut man, wenn der Hund entweder aufgrund mangelnder Fresslust so dünn geworden ist oder nach eine Krankheit nicht genug zu sich nehmen will? Wenn ihm die fertigen energiereichen Futtermittel vielleicht auch nicht so gut schmecken?

Es gibt da einige Tricks, mit denen man dem Vierbeiner das Futter etwas schmackhafter machen kann. Bei Dosenfutter ist Anwärmen immer eine gute Option, Trockenfutter kann man mit warmem Wasser übergießen. Die höhere Temperatur regt den Geruchssinn des Hundes an und damit oft auch den Appetit. Darüber hinaus kann man dem Futter natürlich etwas zugeben, das einen intensiven Eigengeschmack hat und das der eigene Hund besonders mag, wie etwa Fleischbrühe, Thunfisch mit Öl oder Käse. Mehrere kleine Mahlzeiten werden in der Regel besser angenommen als eine große,

Könnte man denn, um den Vorlieben seines Hundes noch besser gerecht zu werden, das Futter auch selber zubereiten?

Ja, sicher. Es ist dann aber ebenso wie bei Fertigfutter darauf zu achten, dass es sich um eine sehr energiereiche Zusammenstellung handelt. Das erreicht man mit relativ fetthaltigen Fleischsorten wie Schaf, Rinderhochrippe oder Schweinekamm sowie Fettzugaben über Talg oder Öl. Auch Sahnequark oder Käse liefert ordentlich Kalorien. Bei den Kohlenhydraten eignen sich Hafer- oder Maisflocken, wogegen zum Beispiel Kartoffeln eher wenig Energie liefern. Auf Füllstoffe wie bindegewebige Schlachtabfälle sollte man verzichten, es kommt darauf an, dem Hund hochverdauliche Nährstoffe zuzuführen.

Fazit

Mit schmackhafter, hochwertiger und energiereicher Nahrung, kleinen Portionen und einer gewissen Routine, auf die sich der Hund verlassen kann, sollte das Aufpäppeln kein Problem sein.

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